Bericht über einen Sprachkurs für Asylbewerber
Ausgangssituation:
In unmittelbarer Nähe des CZM (Charismatisches Zentrum München, Emil-Geis-Str. 39), befindet sich in der Baierbrunner Straße 14 eine Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber. Mit Genehmigung der Heimleitung hatten wir dort per Aushang einen Deutschkurs angekündigt. Die Innere Mission, die vor Ort präsent ist, war ebenfalls informiert.
Die Bewohner der Einrichtung kommen aus allen Teilen der Welt, sie sprechen zum Teil Englisch oder Französisch, selten Deutsch. Von offizieller Seite ist erst ab dem Frühjahr 2008 ein Sprachunterricht vorgesehen. Die Antragsteller leben isoliert und haben kaum Kontakt zu Deutschen.
Da es sich um eine Erstaufnahme-Einrichtung handelt, werden alle 3 – 4 Monate die Bewohner in andere Einrichtungen in Bayern transferiert. Nur wenige bleiben in München.
Realisierung:
Am 13.09.2006 traf sich zum ersten Mal der Deutschkurs für die Bewohner dieser Einrichtung. Am ersten Nachmittag kamen 14 Teilnehmer (TN), darunter mehrere Kinder/Jugendliche. Beim nächsten Treffen waren es bereits über 20, dann bis zu 50! TN.
Der Kurs findet Montag und Mittwoch von 14.00 Uhr – 17.30 Uhr statt. Die Schulferien sind unterrichtsfrei. Als Lehrwerk dient Schritte 1 aus dem Hueber Verlag. Schreibzeug und Bücher werden gestellt, sofern natürlich die Mittel vorhanden sind. Da jedoch der Andrang sehr groß ist und eher noch zunimmt, sind wir dazu übergegangen, für die Anfängerkurse die relevanten Seiten aus Schritte 1 zu kopieren und zu verteilen.
Es ist eine Pause von 30 Minuten eingeplant in der Kaffee, Tee, Säfte und Kuchen angeboten werden. Es hat sich ein Kreis von ca. 5 Freiwilligen gebildet, die den „Kaffeedienst“ organisieren. Sie versorgen die TN auch mit frischem Obst und Schokolade. Alle Leistungen sind für die TN kostenlos.
Bis Mitte Oktober 2006 erfolgte der Unterricht wie geplant zwei Mal wöchentlich zu je 4 Unterrichtsstunden. Als immer mehr neue TN dazu kamen, teilten wir den Kurs in zwei Niveaustufen: von 14.00 Uhr – 15.30 Uhr für Fortgeschrittene und von 16.00 Uhr – 17.30 Uhr für Anfänger. Die Fortgeschrittenen waren darüber natürlich nicht glücklich. Anfang Februar 2007 mussten wir die bisherigen zwei Gruppen zu einem Kurs zusammenfassen, damit ein neuer Anfängerkurs entstehen konnte. September 2007 starte nach den großen Ferien wieder ein Anfängerkurs, der im Januar 2008 geteilt werden musste. Zur Zeit (Februar 2008) kommen zu Kurs 1 ca. 10 Fortgeschrittene und zu Kurs 2 ca. 30 Anfänger, insgesamt also ca. 40 TN. Darunter sind auch Kinder/Jugendliche. Ab Februar 2008 unterrichten zumindest am Montag zwei Kursleiterinnen. Eine pensionierte Lehrerin hat sich bereit erklärt mit zu machen.
Erfahrungen und Ergebnisse:
Ein Problem ist der ständige, transferbedingte Wechsel der TN. Das erfordert sehr viel Flexibilität in der Kursgestaltung. Auf der anderen Seite steht die große Dankbarkeit der TN, die sehr wohl die Einzigartigkeit des Projekts erkennen und das professionelle Angebot gern wahrnehmen. Viele TN sind durch die Flucht oder andere Ereignisse traumatisiert, und können dem Unterricht zunächst bedingt folgen. Sie kommen aber trotzdem um dem Alltag im Heim zu entfliehen, und um einige Stunden der Ruhe zu genießen. Manche TN schaffen den Einstieg erst im nachfolgenden Kurs und entwickeln dann konstante Lernerfolge. Unter den TN herrscht große Freude, wenn sie ihren Transfer innerhalb Münchens bekommen, denn dann können sie weiter zum Unterricht kommen.
Doch das wichtigste ist die Überwindung der Isolation. Die TN aus Kurs 1 2006 können bereits gut Deutsch sprechen. Wir reden über Alltagsprobleme, über Deutschland und die Deutschen, über Geschichte und Kultur. Die Sprache hat vielen einen Zugang zu ihrer neuen Umgebung ermöglicht. Einige TN haben weitere Möglichkeiten gefunden Deutsch zu lernen. Diese ermutigen wir diese Angebote wahrzunehmen, damit wieder Platz für neue TN frei wird. Seit Herbst 2007 ermöglichen spezielle Programme der Stadt München für Asylbewerber, die ihren Transfer innerhalb Münchens bekommen haben, den Besuch von Sprachkursen. Wir stellen gern den Kontakt zu den zuständigen Stellen her.
Unter den TN sind auch gläubige Christen, die im CZM eine geistliche Heimat gefunden haben. Aber auch Muslime besuchen unsere Gottesdienste und nehmen an unserem Gemeindemittagessen am ersten Sonntag im Monat teil. Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, wie sich die Menschen wohl fühlen und sich angenommen wissen. Mittlerweile nehmen mehrere TN regelmäßig an unseren Gebetstreffen teil. Hier teilen sie uns ihre Nöte mit und wir beten gemeinsam für ihre Belange.
Darüber hinaus verteilen wir immer wieder Kleidung und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs. Wo Vertrauen wächst, werden auch Bedürfnisse mitgeteilt.
Fazit:
Der Deutschkurs ist mehr als nur ein Sprachunterricht. In der sehr schwierigen Anfangszeit eines Asylver-fahrens bietet er Hilfe zur Orientierung und Integration. Sprachlosigkeit ist Isolation. Wir helfen diese Isolation zu überwinden. Statistisch gesehen werden vielleicht die meisten in Deutschland kein Bleiberecht erhalten. Trotzdem ist es nicht umsonst, denn welches Menschen-und Deutschlandbild werden sie mitnehmen?
Der Einsatz lohnt allemal, weil jeder Mensch Beziehung und Gemeinschaft braucht. Unser Sprachkurs ist wie der Baum den Luther pflanzen würde, selbst wenn morgen die Welt unterginge oder wie Papst Benedikt am 20.06.2007 zum Tag der Flüchtlinge sagte: ... eine menschliche Geste der Solidarität.
Es ist nie umsonst in Menschen zu investieren.

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